Trapani/Marsala (gro) Das hätte Joseph (Giuseppe) Whitaker (1850 bis 1936) noch erleben müssen: dass die Laguna della Stagnone zwischen San Teodoro und dem Capo Lilibeo sowie die Insel Mozia und die Salzgärten zwischen Trapani und Marsala als Welterbe der Menschheit unter den besonderen Schutz der Unesco gestellt würden. Wenn es tatsächlich so weit kommt, kann der sizilianisch-britische Ornitologe, Archäologe, Weinproduzent und Sportler das Ereignis immerhin als lebensgrosse Büste (Bild: Wikicommons) vor dem von ihm gestifteten Museum auf dem Inselchen Mozia verfolgen. Whitaker ist bis heute eine populäre Palermitaner Figur. Schliesslich er einer der Mitbegründer von US Palermo, von „Rosa Nero“, dem illustren Fussballverein Palermos. – Noch vor Weihnachten 2016 sind in Sachen Weltkulturerbe wichtige Weichen gestellt worden: Provinz- und Regionalregierung Siziliens haben die Kandidatur Trapanis für die Erhebung zum Welterbe auf den Weg gebracht.
Aurelio Angelini: „Das Gebiet als Einheit begreifen“
Aurelio Angelini, Generaldirektor der Stiftung „Unesco Sicilia“ sagte bei einem Treffen mit Politikern und hohen Verwaltungsbeamten in Trapani, er sei überzeugt davon, dass die Aufnahme der Lagune mit der Insel Mozia und mit den Salzgärten deren Wert und Bedeutung erhöhen werde. Ausserdem werde dadurch die Zusammenarbeit der davon betroffenen Territorien und Einrichtungen gestärkt. Die Lagune mit ihren Inseln, den Salzgärten und Stränden erstreckt sich etwa 30 Kilometern entlang der Küste zwischen Trapani und Marsala. Die Erhebung zum Erbe der Menschheit, versicherte Angelini, werde dafür sorgen, dass das langgestreckte Gebiet „noch stärker als Einheit begriffen wird“. Jetzt gelte es, das Gebiet genau zu beschreiben und seinen hohen Wert darzulegen.
Schon jetzt unter Naturschutz
Die Laguna della Stagnone zwischen San Teodoro im Westen und dem Cap Lilibeo im Osten ist die grösste Lagune Siziliens. Sie steht unter Naturschutz. Die Wasserqualität ist exzellent; die Lagune dient mehreren Universitäten Italiens für Studien zur Meeresfauna und –flora. Die der Lagune zum offenen Meer hin vorgelagerten Inseln haben herrliche Strände, dürfen aber nicht bebaut werden. Auch auf der Landseite der Lagune gibt es nur wenige kleine Hotels. Für Ferienvillen und –häuser sowie für Ferienwohnungen dürfen nur seit alters her vorhandene Bauten verwendet werden (was vielfach den besonderen Charme der Angebote ausmacht).
Schon vor 3000 Jahren wurde dort Salz gewonnen
Archäologen haben Hinweise dafür gefunden, dass an der Küste zwischen Trapani und Marsala schon vor 3000 Jahren Salz gewonnen worden ist. Der Ursprung der Salinen gehe sehr wahrscheinlich auf die Phönizier zurück, auf die tüchtigen Seefahrer, die vom heutigen Libanon und von Syrien aus das Mittelmeer bereisten, Stützpunkte einrichteten und die Insel stellenweise kolonisierten. Erste schriftliche Belege für die Existenz der Salinen gibt es aus dem 1. Jahrhundert nach Christus aus der Feder Plinius‘ des Älteren.
Blendend weiss reift das Salz heran
Besonders malerisch machen Windmühlen die Salinen. Die Mühlen werden dafür eingesetzt, das Wasser in die verschieden tiefen Becken zu pumpen, ferner dafür, besonders grobes Salz, das in blendend weissen Hügelchen „reift“ (Bild: Ismail Al-Siqilli), feiner zu malen. Die Sizilianer schwören auf „ihr“ Salz; viele im Ausland lebende Insulaner nehmen bei jedem Besuch in der Heimat ein paar Kilo Salz aus den Salinen von Trapani, Paceco oder Marsala mit in den Norden. Auf und in den Salinen zwischen Trapani und Marsala werden pro Jahr etwa 100.000 Tonnen Salz gewonnen. In den 30-er Jahren waren es noch doppelt so viel. Klappt es mit dem dem Weltkulturerbe, sollte der Umsatz wieder steigen.
Mit dem originalen Grundriss einer phönizischen Stadt
Mozia inmitten der Lagune mit seinem Whitaker-Museum ist zwar eine kleine (nur etwa einen Quadratkilometer grosse) Insel. Sie hat es aber in sich. Sie wartet auf mit den Grundmauern einer kompletten phönizischen Stadt. Das macht diese Insel absolut einmalig. Joseph Isaac Spadafora Whitaker, wie der britische Sizilianer (oder sizilianische Brite) mit vollem Namen hiess, hat diese Einmaligkeit erkannt, die Insel um 1900 erworben sowie für die Allgemeinheit erschlossen und zugänglich gemacht. Auch die Grundmauern des zu der ehemaligen Stadt gehörenden Friedhofs, die Nekropole, sind erhalten, ausserdem die Mauern des Hafens, der vermutlich etwa 700 Jahre vor Christi Geburt angelegt wurde.